Nach dem Ende des Supports für Windows 10 habe ich einem alten Intel NUC neues Leben eingehaucht. Statt weiterhin ein nicht mehr unterstütztes Windows-System am Fernseher zu betreiben, sollte der kompakte Rechner künftig unter Lubuntu 26.04 als Zuspieler für Amazon Prime Video, NAS-Inhalte und andere Streaming-Dienste dienen.
Warum überhaupt Linux?
Viele ältere Rechner sind für aktuelle Alltagsaufgaben noch völlig ausreichend, erfüllen jedoch die Anforderungen von Windows 11 nicht. Der 2014 erschienene Intel NUC DN2820FYK ist für Windows 11 offiziell nicht geeignet. Statt funktionierende Hardware deshalb auszumustern, sollte er mit Lubuntu 26.04 weiter als Wohnzimmer-PC eingesetzt werden.
Denn die vorhandene Hardware ist für typische Aufgaben wie:
- Web-Browsing
- Streaming-Dienste
- Mediatheken
- Wiedergabe von Videos vom NAS
- Office-Anwendungen
oft noch mehr als leistungsfähig genug.
Anstatt nun die funktionierende Hardware wegen eines Betriebssystemwechsels auszusortieren, bietet Linux hier eine attraktive Alternative. Besonders schlanke Distributionen wie Lubuntu ermöglichen einen ressourcenschonenden Weiterbetrieb und versorgen die Geräte weiterhin mit Sicherheitsupdates.
Im konkreten Fall sollte der NUC künftig als Wohnzimmer-PC am Fernseher dienen und gelegentlich Inhalte wiedergeben, die über MagentaTV nicht direkt verfügbar sind.
Die Installation
Die SSD wurde bewusst einfach gehalten:
- GPT-Partitionstabelle
- 512 MB EFI-Systempartition (FAT32)
- restlicher Speicher als ext4-Dateisystem für
/ - keine separate
/home-Partition - keine Swap-Partition
Gerade bei einer kleinen 120-GB-SSD überwiegen die Vorteile einer einzigen großen Root-Partition.
Die Installation verlief zunächst unauffällig. Gegen Ende meldete der Installer jedoch einen Fehler:
Der Bootloader konnte nicht installiert werden.
Als Ursache wurde ein fehlgeschlagener Aufruf von grub-install mit Fehlercode 1 angegeben.
Erste Analyse
Die Partitionierung war korrekt:
- GPT-Partitionstabelle
- EFI-Systempartition (FAT32, 512 MB)
- ext4-Root-Partition
- Installation im UEFI-Modus
Auch die UEFI-Firmware des NUC erwies sich als funktionsfähig. Mit efibootmgr ließen sich problemlos neue Boot-Einträge anlegen.
Auf der EFI-Partition waren bereits alle relevanten Dateien vorhanden:
EFI/ubuntu/shimx64.efiEFI/ubuntu/grubx64.efiEFI/BOOT/BOOTX64.EFI
Trotzdem landete das System nach dem Neustart lediglich in der GRUB-Konsole.
Die eigentliche Ursache
Ein Blick auf die von GRUB verwendete Konfigurationsdatei brachte die Lösung ans Licht:
search.fs_uuid <UUID> root hd0,gpt2
set prefix=($root)'/boot/grub'
configfile $prefix/grub.cfg
GRUB suchte nach der Datei:
/boot/grub/grub.cfg
Diese Datei existierte jedoch nicht.
Während der Installation waren zwar die GRUB-Module und EFI-Dateien korrekt installiert worden, die eigentliche GRUB-Konfiguration wurde jedoch nicht erzeugt.
Die Lösung
Über ein Live-System wurde die installierte Lubuntu-Umgebung per Chroot eingebunden:
sudo mount /dev/sda2 /mnt
sudo mount /dev/sda1 /mnt/boot/efi
sudo mount --bind /dev /mnt/dev
sudo mount --bind /dev/pts /mnt/dev/pts
sudo mount --bind /proc /mnt/proc
sudo mount --bind /sys /mnt/sys
sudo mount --bind /run /mnt/run
sudo chroot /mnt
Alternativ kann mal als tippfauler Admin, der lieber Schleifen nutzt, den Teil mit sudo mount --bind so darstellen:
for i in /dev /dev/pts /proc /sys /run; do
sudo mount --bind $i /mnt$i
done
Innerhalb der installierten Umgebung genügte anschließend:
update-grub
Dieser Befehl installiert GRUB nicht neu, sondern erzeugt bzw. aktualisiert lediglich die GRUB-Konfiguration. Dabei wurde entsprechend die fehlende Datei erstellt:
/boot/grub/grub.cfg
Die Ausgabe zeigte die erfolgreiche Erkennung des installierten Kernels und die Generierung der GRUB-Konfiguration.
Nach dem Neustart bootete Lubuntu problemlos.
Zweite Stolperfalle: Das Installationsmedium bleibt als Paketquelle eingetragen
Nach erfolgreichem Start fiel ein weiteres kleines Problem auf:
sudo apt update
lieferte Fehlermeldungen über ein nicht verfügbares CD-ROM-Laufwerk.
Zunächst wurde die Ursache gesucht:
grep -R cdrom /etc/apt/
Die Ausgabe zeigte:
/etc/apt/sources.list.d/cdrom.sources:URIs: file:///cdrom
Bei aktuellen Ubuntu- und Lubuntu-Versionen wird die Installationsquelle häufig nicht mehr in der klassischen /etc/apt/sources.list, sondern als separate Deb822-Quelldatei unter /etc/apt/sources.list.d/ hinterlegt.
Da das Installationsmedium nach Abschluss der Installation nicht mehr benötigt wird, konnte die Datei einfach entfernt werden:
sudo rm /etc/apt/sources.list.d/cdrom.sources
Alternativ zum gezielten Einzellöschen der cdrom.sources könnte man auch find mit der option -delete kombinieren. Dabei sollte man aber immer sauber kontrollieren, dass man sich nicht vertippt hat. Mit sudo verhält find -delete nicht mehr zimperlich:
sudo find /etc/apt/sources.list.d -type f -name 'cdrom*' -delete
Anschließend funktionierten die Paketquellen wieder wie erwartet:
sudo apt update && sudo apt -y full-upgrade
Gerade bei Neuinstallationen lohnt sich ein kurzer Blick auf die APT-Quellen, wenn apt update unmittelbar nach dem ersten Start über ein fehlendes CD-ROM-Laufwerk oder Installationsmedium klagt.
Fazit
Die EFI-Komponenten von GRUB waren korrekt installiert; das eigentliche Problem war die fehlende GRUB-Konfigurationsdatei.
Wer bei einer Lubuntu-26.04-Installation auf ähnliche Symptome stößt – erfolgreicher Installationsverlauf, Fehler beim Bootloader und anschließend nur eine GRUB-Konsole – sollte daher prüfen, ob die Datei /boot/grub/grub.cfg überhaupt vorhanden ist. In meinem Fall genügte ein einfaches update-grub innerhalb eines Chroot-Systems, um den Rechner wieder bootfähig zu machen.
Nach der Beseitigung dieser beiden Stolpersteine verrichtet der betagte Intel NUC nun statt Windows 10 seinen Dienst unter Lubuntu 26.04 und darf seinen Ruhestand als stromsparender Wohnzimmer-PC und Fernseher-Zuspieler genießen. Damit zeigt sich einmal mehr, dass viele vermeintlich „veraltete“ Rechner keineswegs zum Elektroschrott gehören, sondern mit einem aktuellen Linux-System noch viele Jahre sinnvoll genutzt werden können.