Zeichenvorrat, Entropie und Schlüssellänge verstehen
Im ersten Teil dieser Reihe ging es darum, warum sichere Passwörter möglichst zufällig erzeugt werden sollten. Wenn man sich mit Passwortgeneratoren – etwa meinem kleinen Projekt gwpgen – beschäftigt, stößt man relativ schnell auf Begriffe wie Zeichenvorrat, Entropie und Bitstärke.
Diese Größen beschreiben letztlich alle dasselbe: Wie viele mögliche Passwörter existieren und wie schwer ist es, das richtige zu erraten?
Schauen wir uns an, wie diese Größen zusammenhängen.
Der Zeichenvorrat
Ein Passwortgenerator arbeitet immer mit einem Zeichenvorrat (engl. character set). Das ist einfach die Menge der Zeichen, aus denen ein Passwort aufgebaut werden darf.
Typische Beispiele:
| Zeichenvorrat | Größe |
|---|---|
| Ziffern | 10 |
| Kleinbuchstaben | 26 |
| Groß- und Kleinbuchstaben | 52 |
| Buchstaben + Ziffern | 62 |
| Buchstaben + Ziffern + Sonderzeichen | z.B. ~95 |
Wenn ein Passwort aus einem Zeichenvorrat der Größe N besteht und L Zeichen lang ist, dann existierenmögliche Passwörter.
Beispiel:
- Zeichenvorrat: Kleinbuchstaben (26)
- Länge: 8 Zeichen
Es gibt also über 208 Milliarden mögliche Passwörter.
Von möglichen Passwörtern zur Entropie
In der Kryptographie beschreibt man die Stärke eines Geheimnisses oft in Bit Entropie.
Die Entropie eines Passworts ist definiert als
Mit den Logarithmusgesetzen lässt sich das vereinfachen zu:
Das bedeutet:
- L = Passwortlänge
- N = Größe des Zeichenvorrats
Je größer einer der beiden Werte ist, desto höher ist die Entropie.
Logarithmus zur Basis 2 mit dem Taschenrechner berechnen
Viele Taschenrechner besitzen keinen Logarithmus zur Basis 2. Stattdessen gibt es meist nur
- log (Basis 10)
- ln (natürlicher Logarithmus)
Zum Glück lässt sich jeder Logarithmus umrechnen:
Für unsere Entropieformel bedeutet das:
oder alternativ
Damit kann man Entropiewerte problemlos mit jedem Taschenrechner berechnen.
Beispielrechnung
Nehmen wir ein Passwort mit
- Zeichenvorrat: 62 Zeichen (Groß-/Kleinbuchstaben + Ziffern)
- Länge: 12 Zeichen
Zuerst bestimmen wir
Mit dem Taschenrechner:
Die Entropie des Passworts beträgt also
Das bedeutet: Ein Angreifer müsste im Mittel etwa
Versuche durchführen, um das Passwort durch reines Durchprobieren zu finden.
Warum Bit-Angaben praktisch sind
Die Bit-Darstellung hat einen großen Vorteil:
Sie beschreibt direkt die Größe des Suchraums.
| Entropie | mögliche Kombinationen |
|---|---|
| 40 Bit | ca. 1 Billion |
| 64 Bit | ca. 1,8 × 10¹⁹ |
| 80 Bit | ca. 1,2 × 10²⁴ |
| 128 Bit | praktisch unknackbar mit heutiger Technik |
Deshalb wird bei kryptographischen Verfahren meist direkt in Bit-Sicherheit gerechnet.
Zusammenhang für Passwortgeneratoren
Für einen Passwortgenerator ergibt sich damit eine einfache Beziehung:
Man kann also gezielt berechnen:
- Wie lang ein Passwort sein muss, um eine gewünschte Sicherheit zu erreichen
- Wie sich ein größerer Zeichenvorrat auswirkt
Ein Passwortgeneratpr könnte entsprechend aus Zeichenvorrat und Passwortlänge die resultierende Entropie berechnen und kann so Passwörter erzeugen, die eine definierte Mindeststärke erreichen.
Fazit
Die Stärke eines Passworts hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab:
- Größe des Zeichenvorrats
- Länge des Passworts
Zusammen bestimmen sie die Entropie und damit die tatsächliche Sicherheit gegen Brute-Force-Angriffe.
Die zentrale Formel lautet:
Mit der Logarithmus-Umrechnung
lässt sich das sogar problemlos mit einem einfachen Taschenrechner nachvollziehen.
Im nächsten Teil schauen wir uns an, welche Entropiewerte in der Praxis sinnvoll sind und wie man daraus konkrete Passwortlängen ableiten kann.